Einen Jux will er sich machen
von Johann Nestroy
21-25 Mai 2007
Sein ganzes Leben lang hat Ladenkommis Weinberl alles richtig
gemacht und sich mit gewissenhafter Sorgfalt seinen Arbeitspflichten
gewidmet. Als er nun dafür mit einer Beförderung zum Kompagnon seines
Chefs belohnt wird, löst dies bei ihm unverhofft keine Freude aus,
sondern eine mittlere Sinnkrise: „Der Diener ist Sklav des Herrn – der
Herr ist Sklav des Geschäfts“ erkennt Weinberl ernüchtert und sieht mit
plötzlichem Schrecken bislang aufgeschobene Lebensträume endgültig
zerplatzen. Wenigstens ein Mal, treibt es den bisher stets korrekten
Kommis um, ein einziges Mal möchte er vor seiner Pensionierung aus dem
monotonen Korsett seines Alltags ausbrechen und „ein verfluchter Kerl“
sein.
Eine Geschäftsreise des Chefs kommt da wie ein Zeichen vom
Himmel: Zusammen mit seinem Lehrjungen schwänzt Weinberl die Arbeit und
büxt in die Metropole aus, mit dem energischen Ziel, sich selbst
sozusagen einen 24-Stunden-Crash-Kurs in Sachen abenteuerliche
Verwegenheit zu verschaffen. Wie man das macht, ein „verfluchter Kerl“
zu sein, darüber weiß Weinberl schon längst Bescheid aus jahrelangem
Studium einschlägiger Romane – und so treffen Theorie und Praxis
aufeinander....